Mixen und Mastern interviewt: Alex von Kame Audio
Beim Durchsuchen des World Wide Web nach Wissenswertem übers Mixen und Mastern bin ich auf Kame Audio, einer Webseite von Alex aus Sachsen, gestoßen. Das vielfältige Angebot ist beeindruckend, da zieht einer wirklich sein Ding durch. Doch lest selbst, was Alex über sich und sein Schaffen zu berichten hat.
Hi Alex, als ich auf Deine Seite gestoßen bin, hat mich die große Vielfalt des Angebotes beeindruckt: Tonstudio, Videostudio, Workshops und Seminare, diverse Skripts und Guides und das Extreme Drummers Festival, um nur ein paar Dinge zu nennen. Stell´ Dich und Kame Audio doch mal bitte vor.
Hi Micha, ich habe so Mitte der 90er Jahre angefangen, die eigenen Bands auf Band aufzunehmen, später dann auch andere, und 2007 mein eigenes Studio Kame Audio in Chemnitz gegründet. Der Name kommt übrigens aus der japanischen Fernsehserie Dragon Ball. Da gibt’s einen “Meister der Schildkröten”, naja und die Viecher (heissen auf japanisch “Kame”) schleppen ja ihr Haus mit sich herum, und das passt wohl ganz gut zum Mobilen recording, womit ich damals angefangen hab.
In Leipzig habe ich dann in Andre einen coolen Typen gefunden, der mutig genug ist, mich ab und zu auch in seinem riesigen Studio (150 qm) arbeiten zu lassen, wo wir dann demnächst auch die Schule machen wollen. Da ich ein recht vielseitig interessierter Mensch bin, habe ich mich irgendwann auch mit verwandten Themen wie Video und Web auseinander gesetzt, Basteln macht mir halt Spaß. Irgendwann kam dann der Gedanke, mein zusammengesammeltes Praxiswissen an interessierte Bands weiterzugeben, also habe ich ein paar Workshops organisiert und die Skripte dazu stehen online. Ein paar Materialien, wie die Liste mit guter freeware-Studiosoftware oder mein Selbstvermarktungs-e-book “Band2.0” kann man einfach so downloaden, für manche Skripte braucht man ein Passwort. Da kann man mir aber auch mailen, ich bin jetzt nicht so der, der “Geheim-Wissen” horten muss.
Ach ja, das ExtremeDrummers…den Ronny (Garz, Drumcoach aus Dresden) kenn ich nun schon ‘ne Weile, wir haben auch die eine oder andere Bühne geteilt. Und der Ronny hat dann dieses Jahr zum ersten Mal eine Art Workshop-Festival gemacht, das heisst tagsüber gab’s Drumming-Workshops, abends Konzerte. Ich fand das gut, und hab’ das ganze Festival gefilmt und dann später noch die Website dazu gemacht. Nächstes Jahr soll das ganze wieder steigen, nur halt in besser, das heisst: Diesmal mit internationalen Drummern, noch hochkarätigeren Bands, und ich habe mittlerweile auch ein paar richtig nette Kameras. Übrigens konnte der Ronny für nächstes Jahr sogar Drums&Percussion (Drummer-Magazin) mit ins Boot holen, was ich ziemlich cool finde.
Neu seit September ist die Studioschool. Was genau verbirgt sich dahinter? Was hat Dich bewegt die Schule zu eröffnen?
Ja, also die Idee zur Studioschool kam mir und Andre so irgendwann um September herum, das stimmt. Wir fanden es halt schade, daß das Studio mit seinen fantastischen Möglichkeiten doch so manchen Tag ungenutzt ist und quasi zwischen den Produktionen leer steht. Nun weiß ich aber von meinen eigenen Workshops, daß noch ein ziemlicher Bedarf an Informationen bei den Musikern herrscht, speziell was die Gebiete Musikproduktion & Musikbusiness betrifft. Man will halt vieles selber machen, eigene Erfahrungen sammeln, und das finde ich auch sehr in Ordnung und wichtig. Allerdings muss man nicht jeden Fehler selber machen, daher wollen wir ein paar Kurse anbieten mit dem Ziel, daß man hinterher eine ziemlich genaue Vorstellung hat von den Aufgaben die vor einem liegen als Producer, Profimusiker oder Booker. Zusätzlich wollen wir für kürzere Weekend-Seminare namhafte Leute aus der Musikszene gewinnen, aber da liegt noch ne Menge Orga vor uns. Starten wird das Ganze wohl im Januar 2012.
Gibt es große Konkurrenz in Leipzig? Wie versuchst Du Dich abzuheben?
Ja klar, es gibt zum Beispiel die SAE, oder auch die “richtigen” Unis, ich steh’ aber halt mehr auf Praxis und “Lernen durch Anfassen”. Wir wollen denen da auch gar keine Konkurrenz machen, ich denke wir sind eher so “klein aber fein”. Zumindest ist bei uns auch aufgrund der kleinen Gruppengröße gewährleistet, daß jeder ausreichend Zeit an den Geräten verbringt, alles ein bisschen familiär eher als jetzt die große Bildungskeule. Deren Abschluss ist auch nicht besser oder schlechter als unserer, letztlich kommt es darauf an, was man aus dem gelernten macht. Wir wollen aber auch kein Preis-Dumping machen, sondern wirklich wertvolles Wissen vermitteln, also so daß man als Teilnehmer sofort was damit anfangen kann und uns natürlich auch Löcher in den Bauch fragen kann. Damit das Ganze bezahlbar bleibt, haben wir uns 2 Fördermodelle ausgesucht. Da kann man das passende beantragen und bekommt dann bis zu 80% des Kurses von Staat oder EU gesponsert. Infos auf www.studioschool.de/foerderung.html
Kommen wir zu Deinem Studio und zum Mixing und Mastering. Seit wann betreibst Du Dein Studio und welche Art Musik produzierst Du vorrangig?
Mit meinem “Schildkrötenstudio” Kame Audio verfolgte ich in Chemnitz damals einen lustigen Ansatz. Ich habe nämlich damals das Konzept der Trennung von Regie und Aufnahme ausprobiert. Das Recording erfolgte meist mobil vor Ort, das Mischen in einem akustisch optimierten Raum. Ein cooles Konzept, man lernt unglaublich viel über akustische Optimierung vor Ort und es ist auch ziemlich cool für Bands die noch keine so riesige Studioerfahrung (oder Kohle) haben. Da mir die Schlepperei der ganzen Racks und Kisten irgendwann aber zu viel wurde, habe ich den Schwerpunkt irgendwann mehr auf’s Mischen gelegt und auch einige Masteringjobs gemacht, hauptsächlich im Rock&Metal-Bereich in seiner ganzen Bandbreite von AOR bis Ultrabrutal Death Gekloppe. Ansonsten maße ich mir mal einen gewissen Geschmack im Rock bis Metalbereich an, in die elektronische Musik zum Beispiel bin ich erst dabei mich reinzufitzen, ist aber auch geil.
Wie hast Du Dir Dein Know-how angeeignet?
Naja, das erfolgte wohl in 2 Stufen. Von 1995 oder so war’s “Learning by Doing” und seit 2007 “Learning by earning“ haha. Also am liebsten probiere ich aus, aber ich lese schon auch Bücher, Blogs und schau Videos zu dem Thema. Manchmal (aber eher selten) findet man auch was nützliches in Foren, meist wollen die Leute da irgendwie nur angeben, so schwanzvergleich-mässig…
Arbeitest Du eher digital oder mit analogem Equipment?
Mit allem was da ist, mir echt wurscht. Ich weiß aber aus leidvoller Praktikantenzeit, daß ich ganz bestimmt nicht mehr mit Bändern schneiden will…
In welcher Reihenfolge mixt Du einen Song?
Erstmal editieren, das dauert zwar ewig, finde ich aber wichtig und man bekommt irgendwie so ein Grundgefühl für die Aufnahmen. Dann lass ich’s ne Weile ruhen und setz’ mich ‘nen Tag später ran, und versuche so was ähnliches wie Musik entstehen zu lassen, indem ich nur mit Volume und Panning der Kanäle arbeite. Wenn ich finde, daß der Song irgendwelche Gewürze braucht, schreib ich mir das auf. Manchmal mache ich an der Stelle schon ein bisschen Tiefenpanorama. Dann kommen irgendwann Kompressoren und EQ’s ins Spiel, und der ganze Kreis beginnt von vorn. Dann Tiefenpanorama, und wieder kreisen. Setzen lassen und dann noch ein bisschen “Zuckerguss” und das Ganze für’s Mastern aufbereiten.
Welche VST Plugins hast Du häufig im Einsatz und kannst sie unseren Lesern empfehlen?
Also ich greife ganz gern auf TC Powercore, UAD-One und Waves Geschichten zurück, so für die Standardaufgaben. Für abgefahrene Effekte nehme ich fast ausschliesslich Freeware-Sachen wie auf der Liste hier: http://www.kameaudio.de/?page_id=2655. Hall ist meist Hardware. Ich denke, bei Plugins sollte man die nehmen, mit denen man am besten klarkommt. Ich zum Beispiel mag es, wenn ich weiß, was ein Plug tut und warum. Keinesfalls sollte man nach der Devise “teuer, also muss es gut sein” vorgehen. Ich beschränke außerdem mich im wesentlichen auf eine Handvoll immer gleiche Plugins, in die ich mich richtig eingefuchst habe. Damit fahre ich besser als mit einer unüberschaubaren Vielfalt.
Betreibst Du Kame-Audio hauptberuflich? Was machst Du außerhalb noch? Viel Zeit bleibt
wahrscheinlich nicht für andere Dinge…
Ja. Außer den Audio- und Workshop-Geschichten, wo ich natürlich versuche am Ball zu bleiben, mache ich derzeit ziemlich viel Webdesign und bin auch als Musiker aktiv. Privat beschäftigen mich gerade Konzepte zur ressourcenschonenden Verbreitung digitaler Information, also das, was den DVD-, CD und vielleicht auch den Buchhandel mal ablösen könnte. Klar bleibt da noch Zeit für andere Dinge, die muss man sich einfach nehmen. Ich versuche mich gerade mit dem Herbst in Deutschland anzufreunden, und er zeigt sich ja auch von seiner schicken Seite – und ein Privatleben habe ich natürlich auch.
Und nun noch zum Schluss: Was rätst Du Anfängern in Sachen Mixdown und Mastering?
Geduld haben. Lernen, am Ball bleiben. Mut zum eigenen Geschmack haben. Und das wichtigste: Spaß haben!
In diesem Sinne, Danke für das Interview Alex!

